Stellungnahme des Autors zur 2. Auflage des "Reisehandbuch Albanien"

Die zweite Auflage meines Reisehandbuchs Albanien ist seit Februar 2010 über Amazon zu beziehen.

Von der ersten Auflage musste ich mich bekanntlich noch öffentlich distanzieren, zur zweiten kann ich eine etwas freundlichere Position beziehen.
Das Grundproblem, keinen Platz gehabt zu haben für eine ausreichend ausführliche landeskundliche Darstellung, ist mir geblieben. Allerdings habe ich das diesmal mit größerer Gelassenheit getragen, weil mir zwischenzeitlich deutlich wurde, dass mein Kernklientel, die Selbstfahrer aller Fahrzeugarten, zum Teil gar nichts Umfangreicheres lesen wollte, als ich da anbot. Wer selbst fahren muss, ist eben oft froh, wenn er kurz gefasste Informationen bekommt. Natürlich habe ich dort, wo sowieso Fakten neu gefasst werden mussten, auch versucht, sie etwas runder darzustellen.

Der Schwerpunkt der Überarbeitung lag für mich aber woanders. Zunächst war ja mein größter Ärger über die erste Auflage, dass für mein Schnellreiseklientel der Unterwegs-Schnell-Zugriffsschlüssel fehlte. Dem hoffe ich, mit einer präzisen Routenübersicht auf der Einbandkarte abgeholfen zu haben. Das Lektorat hat mir zwar wieder deren Endfassung vorenthalten, aber da müssten jetzt eigentlich alles drauf sein, was man unterwegs zur Schnellnavigation im Buch braucht (bei den Seitenverweisen auf der Skizze scheinen sie wieder gegen meine Wünsche gespart zu haben - ich habe das Buch selber noch nicht in der Hand). Weiterhin bin ich den Kritikern an meiner bisherigen Eine-Richtungs-Darstellung der Routen entgegen gekommen und habe bei allen geänderten Etappenkapiteln die Kilometerangaben von beiden Seiten aufgeführt (nicht geänderte Kapitel haben also leider auch weiterhin diesen Vorzug nicht).

Sodann trieb mich um, dass ich in der Zwischenzeit so viele mail-Anfragen zu, wie mir zunächst schien, abwegigen Routen erhalten habe, die nicht in der ersten Auflage enthalten waren. Die eigentliche inhaltliche Werterhöhung dieser zweiten Auflage wird also darin bestehen, dass die Anzahl der Roten Routen von 13 auf 21 erhöht wurde. Mancher wird sich schon mal gefragt haben, was eigentlich in dem Bermuda-Dreieck von hinter dem Dajti bis zur Skopje-Grenze zu finden ist. Manch anderer gezweifelt, gibt es ihn wirklich, den bei Reise Know How eingezeichneten Weg von Corovoda nach Permet? Oder gar eine "Hauptstraße" von Vlora nach Tepelena? Ist es wahr, dass der Lura-Südweg nicht mehr benutzbar ist? Die Käufer werden all das, und mehr, für die nächsten Jahre gültig beantwortet finden. Im Gegensatz zu dem in der Branche üblichen, ist meine zweite Auflage damit also nicht die erste mit verändertem Titelbild und drei korrigierten Rechtschreibfehlern, sondern, da ist so viel Neues drin, dass ich mit gutem Gewissen sagen kann: Auch Albanien-Fans, die die erste Auflage haben, werden die zweite kaufen müssen.
Und, ich denke, auch so mancher Grüne-Routen-Fahrer wird überrascht sein, was ich noch raus gepickt habe. Wer kennt schon die verschwiegenen Thermalkolke am Eingang der atemstockenden Schlucht der Llengarica? Wer weiß, dass die älteste und zugleich prachtvollste Kirche der Region Voskopoja nicht im Ort, sondern etliche Kilometer außerhalb zu finden ist, wo sie nie ein Tourist ohne Hinweise suchen würde? (Zugegeben, die letzten 500 m müssen Besitzer von nur Grün-tauglichen Fahrzeugen in beiden Fällen zu Fuß gehen).

Den Stil wird man zum Teil bemängeln, aber da die Seitenzahl nicht zu erweitern war, musste ich einfach teilweise auf stichpunktartige Schreibweise zurück greifen, um mein überquellendes Wissen in dem kleinen Format unterzubringen.
Ich hoffe jedenfalls, die neue Auflage lässt nun wirklich kaum eine Albanien-Wege-Frage mehr offen. Wer sich dieses Land wirklich erschließen will, der braucht dieses Reisehandbuch.

Mancher wird irritiert sein, dass bei Amazon ein ominöser Manfred Kleemann neben mir in Erscheinung tritt. Keine Angst, das ist kein neuer Albanien-Explorer, bloß ein Trittbrett-Fahrer - der Verlagschef. Ich hatte in meinem Frust nach der 1.Auflage die Rechte am Buch an ihn verkauft, bin also eigentlich nur noch sein Tintenkuli, und das schlägt sich hier darin nieder, dass er so ein bisschen mit meinem Verdienst kokettiert.

Natürlich werden sich wieder einige Schreibtischtäter finden, deren Hobby darin besteht, weise Vergleichskritiken zu schreiben zu jedem neuen Reiseführer, den sie selbst nie in der Praxis benutzen. Sie werden sich bei Amazon wieder daran delektieren, wie weit das Werk vom in der Branche Üblichen abweicht. Mich interessiert ausschließlich die Meinung der tatsächlichen Nutzer. Und denen wünsche ich erst mal so viel Spaß auf ihrer Albanien-Reise, wie ich bei der Recherche gehabt habe.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit allen danken, deren Spezialwissen, nach dem dritten Birre Korca freigiebig offenbart, in das Werk eingeflossen ist, sowie jenen, die Bilder aus eigenem Archiv dafür zur Verfügung gestellt haben.
Und natürlich meiner Frau, die mein wochenlanges Verschwinden hinter den Sieben Bergen Albaniens und das Aussehen des Autos nach Rückkehr noch einigermaßen wohlwollend tolerierte.




Zurück zur Startseite